Mein Weg zur ATEMARBEIT

Das Thema ATEM begleitet mich mein ganzes Leben lang in besonderer Weise.

In meiner dreijährigen Ausbildung zur staatlich geprüften Gymnastiklehrerin an der MEDAU Schule Coburg, für musisch-rhythmische Gymnastik, stand die Wahrnehmungs- und Persönlichkeitsschulung im Vordergrund. Die Organgymnastik, eine von Senta Medau und dem Atemarzt Dr. Ludwig Schmitt entwickelte feine Bewegungsarbeit, aus Dehn-, Kräftigungs- und Balanceübungen, zeigte das Wechselspiel von Bewegung und Atmung. Geübt im individuellen Bewegungs- und Atemrhythmus, wurde dadurch der reflektorische Einatem gefördert und die Kraft der eigenen Mitte freigesetzt.

 

Parallel zur Gymnastik absolvierte ich eine dreijährige Ausbildung für "Bewegung und Musik". Arbeit mit Stimme und Instrumenten, Gesang, Rhythmik und Tanz waren Lehrinhalte, die mich beflügelten und wahre Freude erleben ließen. Das Singen an der MEDAU Schule hatte ohnehin einen besondern Stellenwert, und unser Schullied nach einem Gedicht von Rilke: „Ich lebe mein Leben ... komponierte Jost Langguth, Ehemann von Ilse Middendorf.

 

Bei meiner Sportlehrer - Ausbildung lernt ich dann den Atem von einer ganz anderen Seite kennen. "Luft anhalten und durch" könnte man einen 100 m Sprint umschreiben. Meine Lieblingssportart wurde das Schwimmen, wo ein regelmäßiger Atem unbedingte Voraussetzung für kontinuierliches Fortbewegen im Wasser ist.

 

In weiterer Folge befasste ich mich viel mit fernöstlichen Bewegungsformen. Den Anfang machte ich mit Hatha Yoga, da ich durch die MEDAU Organgymnastik bereits mit vielen yogaähnlichen Positionen vertraut war.

Nachdem eine Schilddrüsenoperation notwendig wurde, weil ein Knoten meine Luftröhre einengte, erlitt ich das, wovor sich jeder Patient fürchtet, reccurens parese, eine Lähmung der Stimmbänder. Folge: ich konnte nicht mehr sprechen. "Ihre Stimmbänder hängen durch wie ein nasse Taue", war die Aussage des HNO Arztes und dazu wurde mir auch mitgeteilt, dass ich wohl nie wieder einen Übungssaal mit meiner Stimme füllen könnte. Es folgten intensive Monate, in denen ich ständig "außer Atem" kam und meiner Umgebung "sprachlos" gegenüber stand. Aber, ich wollte mich der Diagnose nicht geschlagen geben und so begann ich, mich auf Gelerntes zu besinnen. Da ich Vokale, die im Kehlkopf gebildet werden, alleine nicht sprechen konnte, habe ich mit „Lalelilolu, Kakekikoku, Tatetitotu, Papepipopu" Stimmübungen gemacht und stets einen Konsonanten vorgeschoben. Zusätzlich habe ich durch Asanas (Yoga Übungen) mein Halschakra, ein Energiezentrum für Kommunikation und Stimme, angeregt.

Als das Alles - nach einer gefühlten Ewigkeit - nicht mehr nötig war, sprachen die Ärzte von einem Wunder, obwohl die Lähmung linksseitig blieb.

 

Ich fand mit guter, klanglich leicht veränderter Stimme in meinen Beruf zurück und machte mich weiter auf die Suche nach einer Methode, die ich mit der Bewegung verbinden konnte. Es folgte eine mehrjährige Auseinandersetzung mit Qi Gong und Tai Chi, sowie diversen Entspannungstechniken. Aber keine Lehre konnte mich auf Dauer fesseln. Irgendwas fehlte mir. Als ich dann ins Seminar "Atem und Bewegung"  fand, fühlte ich mich angekommen.

 

Atempädagogik / Atemtherapie - die Arbeit mit dem frei zugelassenen Atem. Ganz ich sein! Ohne Vorgabe, Richtlinie, Fremdrhythmus und ohne etwas leisten zu müssen.

Mir war schnell klar - das will ich lehren können.

 

Eine Methode, die den Einzelnen nicht verändern will, sondern  Individualität fördert, auf Körperwahrnehmung aufbaut,  Empfindungsbewusstsein schult, Akzente durch Bewegung  setzt und - das Wichtigste -  den Menschen in seiner Ganzheit berücksichtigt.

 

Ich begann die  3 1/2 jährige Ausbildung bei Norbert Faller ( einem direkten Schüler von Ilse Middendorf) in Wien. Mit Nachgraduierung an der FH Gesundheit, Tirol lautet meine Berufsbezeichnung nun:

akademische Atempädagogin.

 

 

                 "ICH lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehen,

                           ich werde den letzen vielleicht nicht vollbringen,

                                            aber versuchen will ich ihn!"

                                                                                                     (Rainer Maria Rilke)